Bau eines Aquariums aus Holz

Bild4-2

Warum nicht mal aus Holz?

Der Bau eines Aquariums aus Glas oder Eternit ist in der einschlägigen Literatur immer wieder beschrieben worden.

Als vor einigen Jahren bei mir ein Umzug anstand und ich entschlossen war mich „aquarienmäßig“ zu vergrößern, stellte sich automatisch die Frage nach der Bauart des neuen Beckens. Ein Glasaquarium kam für mich auf Grund der nur eingeschränkten Haltbarkeit nicht mehr in Frage.

Für die Alternative statt dessen ein Eternitbecken zu bauen konnte ich mich ebenfalls nicht recht entscheiden. Gemeinsam mit meinem Freund und Vereinskollgen Peter Hille hielten wir nach weiteren geeigneten Materialien Ausschau. Schließlich entschloß ich mich zur Verwendung von 22mm starken HDF-Holzplatten, welche mit glasfaserverstärktem Polyester versiegelt werden sollten.

An der Stirnseite ist bereits der Ausschnitt für den geplanten Überlaufkasten angezeichnet

Im folgenden möchte ich die Bauphase mit den wesentlichen Eckdaten kurz dokumentieren und anderen, interessierten Aquarianern diese vorteilhafte Art des Aquarienbaus näherbringen.

Was daran vorteilhaft ist?
Zum Einen der gegenüber Glas deutlich geringere Preis bei besserer Haltbarkeit, zum Anderen die Möglichkeit hinsichtlich Größe und Form praktisch alles verwirklichen zu können was Ihnen schon immer vorschwebte.

Bild 2

Der vorbereitete Überlaufkasten ist bereit zur Montage

Bei meinem Aquarium handelt es sich um ein B1900xT800xH650 mm Becken mit außen angebrachtem Überlauf-Filterkasten. Zunächst ließ ich bei einem ortsansässigen Schreiner die 22mm HDF-Platten entsprechend zuschneiden und versorgte mich mit ca. 30kg Polyesterharz (inkl. Härter), etwa 3 Liter blauer Schwimmbadfarbe und einer für etwa 3 Lagen ausreichender Menge Glasfasermatten der Firma Steppan Kunststoffbau in Bottrop.

Pro qm Aquarienfläche müssen etwa 5,5 – 6kg Polyester, 0,5 Liter Schwimmbadfarbe sowie 3 – 3,5 qm Glasfasermatte veranschlagt werden.

 

Für das von mir geplante Aquarium, welches von zwei Seiten einsehbar ist, ließ ich folgende Holzplatten zuschneiden:

  • Rückwand: 1900*650 mm
  • Frontplatte: 1900*650 mm mit Fensterausschnitt 1800*550 mm
  • Seitenwand (links): 650*706 mm
  • Seitenwand (rechts): 650*706 mm mit Fensterausschnitt 400*500 mm
  • Bodenplatte: 1856*706 mm
Bild 3

Überlaufkasten ist montiert und schon mit Polyester versiegelt

Außerdem benötigte ich eine Frontscheibe sowie eine Seitenscheibe, deren genaues Maß aber erst nach Fertigstellung des Holzbeckens sowie Einbringung der Polyesterschicht ermittelbar ist und daher auch erst zu diesem Zeitpunkt bestellt werden sollte.

In meinem Fall verwendete ich 12mm starke Opti-White Kristallglasplatten, die jeweils mit einem 50mm breitem Floatglasstreifen am oberen Rand verstärkt wurden. Das Opti-White Glas hat gegenüber dem normalen Floatglas den Vorteil, daß keinerlei Farbverfälschungen auftreten, ist jedoch auch erheblich teurer.

Die Holzplatten wurden von mir mit 40mm Holzschrauben im Abstand von ca 5 cm rundherum verschraubt. Zusätzlich wurden alle Platten mit wasserfestem Holzleim der Firma Ponal verleimt.

Im zweiten Schritt wurde die geschlossene Seitenwand oben auf einer Länge von 350mm um 50 mm ausgenommen. Hier entsteht der Überlauf zum später angebrachten Überlaufkasten .

Anschließend wurde der Überlaufkasten mit den nötigen Bohrungen für die Abläufe versehen, an die Seitenwand angesetzt und von der Beckeninnenseite her verschraubt.

Nach Fertigstellung des „Grundgerüstes“ stand nun der Versiegelung mit Polyester nichts mehr im Wege. Meine Empfehlung für die Verabeitung lautet zunächst: „Auf keinen Fall in geschlossenen Räumen und bei Temperaturen unter 10°C.“ Wir haben nie mehr als 2-3 Liter Polyester mit Härter versehen um zu vermeiden, daß uns das Harz bereits während der Verarbeitung aushärtet.

Bild 4

Ansicht des Überlaufkastens von oben. Man sieht zwei 40mm Bohrungen für die PVC-Verrohrung

Jede Aquarienseite wurde liegend mit Polyester bestrichen, dann mit einer ersten Schicht Glasfasermatte belegt und wieder bestrichen, bis die Matte gut getränkt war.

Bevor wir die nächste Seite des Aquariums bearbeiteten, haben wir das Harz jeweils etwa 30 Minuten anziehen lassen, um ein Heruterlaufen mit Tropfenbildung zu vermeiden. Diese Technik kostet zwar etwas Zeit, hat sich aber hervoragend bewährt.

Die gesamte Prozedur wurde 3 mal wiederholt, so daß am Ende jede Seite mit 3 Schichten Glasfaser und einer etwa 6-8mm starken Schicht Polyester belegt war .

Besonders zu beachten ist auch die Versiegelung der Kante zum Überlaufkasten sowie die Vermeidung von starken Polyesteransammlungen in den Aquarienecken, insbesondere dort, wo später die Scheiben eingesetzt werde sollen.

Bild 5

Das komplette Aquarium ist nun mit Polyester versiegelt

Nachdem das Polyester einige Tage durchgehärtet war brachten wir nun noch die Schwimmbadfarbe von innen und außen auf das Material auf. Bei der Farbe ist unbedingt darauf zu achten, das sie vom Aquarienwasser nicht angelöst wird und absolut lebensmittelecht ist. Die von uns verwendete Farbe mußte, wie schon das Harz mit Härter versehen werden und konnte dann leicht mit einer Rolle aufgetragen werden. Nach vollständiger Austrocknung der Schwimmbadfarbe (ca. 3Tage) und Versiegelung der Beckenaußenseiten mit einem wasserfestem Buntlack wurde das Aquarium noch mit einem Edelstahlrahmen aus 2mm-Blech zusätzlich verstärkt. Der Rahmen wurde am Becken geschweißt, um höchst mögliche Passgenauigkeit zu erreichen.

Bild 6

Bereits mit Schwimmbadfarbe versiegeltes Aquarium wird hier zusätzlich mit einem Edelstahlrahmen verstärkt

Anschließend können die Scheiben eingesetzt werden. Wir verwendeten zur Verklebung ausschließlich Aquarien-Silikon der Firma Perenator.

Nach einer erneuten Trockenzeit von 2-3 Tagen konnte nun die Dichtigkeitsüberprüfung stattfinden. Anschließend wurde das Aquarium ca. 2 Wochen gewässert um eventuell vorhandene Farb- oder Silikon-rückstände auszuspülen.

Dabei wurde das Wasser im Aquarium auf ca. 35 °C erhitzt um die Ausschwämmung von Reststoffen zu unterstützen. Schließlich transportierten wir das nunmehr fast 200kg schwere Becken an seinen neuen Standort.

Nun folgten die nächsten Schritte: Das Aufstellen des Beckens, die Installation der PVC-Verrohrung für die Filteranlage und der Einbau der erforderlichen Technik. Um diese Themen soll es im folgenden Artikel gehen.

Bezüglich des Aquarienstandortes, hatte ich den Wunsch das Becken so in den Wohnraum zu integrieren, dass man als Betrachter den Eindruck hat, das Aquarium sei in der Wand eingelassen. Da ich keinen eigenen Raum für Aquarium / Technik zur Verfügung habe und ein einfacher Wanddurchbruch (für die Sichtscheibe) zum

Nachbarzimmer dem entsprechend nicht möglich war, mußte ich zu einem optische Trick greifen.

Zunächst mauerte ich mir eine Nische, die groß genug war, das Aquarium sowie die erforderliche Technik aufzunehmen.

In 800mm Höhe vom Boden aus gemessen, liess ich 3 U-Eisen (100mm) in gleichmäßigen Abstand so einlegen, dass die Bodenplatte des

Bild 7

Einkleben der Scheiben mit seewasserfestem Perenator-Silikon

Aquariums exakt mit den Außenkanten der beiden äußeren U-Eisen abschloss. Die U-Eisen wurden, auf Empfehlung eines Statikers , zusätzlich mit jeweils 2 Querstreben verbunden um die Stabilität zu erhöhen (Foto 1). Die Tatsache, dass auf diese Weise weder ein weiteres Untergestell noch Stützen zum Boden hin erforderlich waren, schaffte viel Freiraum und vor allem Bewegungsfreiheit unter dem Aquarium.

Auf den U-Eisen liegt eine mit Styropor beklebte Metallplatte als Unterlage für das Becken.

Bild 8

Dichtigkeitsüberprüfung bestanden :-)

Im nächsten Schritt folgte die Installation der notwendigen Elektroversorgung. Hierzu ließ ich eine separate, über einen FI-Schutzschalter (30 mA) abgesicherte Leitung von der Hauptverteilung zum Aquarium legen. Nach Rücksprache mit den Elektrikern entschied ich mich für 5×1,52. Mein Freund Peter Hille, selbst Elektriker, installierte mir eine entsprechende Unterverteilung mit einzeln abgesicherten Steckdosen für alle Geräte sowie mehreren digitalen 2-Kanal-Schaltuhren zur Steuerung der Beleuchtung und der Kalkversorgung, auf die ich später noch eingehe (Foto 2 und 3).

Zeitgleich begann ich mit der Installation der PVC-Verrohrung (Foto 4). Vom Überlaufkasten (vgl. MA 3/2000) verlaufen zwei über Kugelhähne absperrbare 40mm-Rohre hinunter zum Filterbecken (1200x500x400mm), welches ebenfalls aus PVC gebaut ist. Dabei ist die Frontseite aus PVC transparent konstruiert, um einen guten Einblick in das Filterbecken zu gewährleisten.  Beide Ablaufrohre verfügen über einen Bypass. Der eine ist direkt mit meinem Abwasseranschluss verbunden und ermöglicht mir so ein problemloses Ablassen des Aquarienwassers. Der andere Bypass dient dazu im Bedarfsfall einen Teil des abfließenden Wassers über hochaktive Filterkohle (z.B. zur Entfernung von Gelbstoffen) führen zu können.

Bild2-2

Elektroinstallation für das Aquarium

Vom Filterbecken ausgehend verlaufen zwei 40mm-Rohre zu den beiden Kreiselpumpen (ATK 5536, mit je ca. 5500L/h) welche ich für Wasserkreislauf und Strömungserzeugung einsetze. Beide Pumpen sind durch Kugelhähne vor dem Ein- und hinter dem Auslauf komplett vom System abkoppelbar. Dies ist für spätere Reinigungsarbeiten eine erhebliche Erleichterung.

Darüber hinaus gibt es vom Filterbecken eine 25mm-Verrohrung (mit Kugelhahn) zum Eiweißabschäumer (ebenfalls ATK, 130cm mit Dispergator), einen Notüberlauf mit Anschluss an die Abwasserleitung und einen Bypass für eine UV-Lampe.

Bild3-2

Das Aquarium steht nun in der Nische, die Elektroinstallation ist abgeschlossen

Neben den ATK Pumpen sorgen zwei Powerheads der Firma iks mit jeweils 3500L/h für zusätzliche Wasserbewegung.

Aus einem neben dem Filterbecken stehenden Kunstofftank (aus dem Wohnwagenbau) wird täglich mittels einer iks Dosierpumpe ca. 1,5 Liter frisches, mit einer Membranpumpe gut belüftetes Meerwasser in den Kreislauf gebracht. Zeitgleich wird mit einer weiteren Dosierpumpe die selbe Wassermenge aus dem Aquarium abgepumpt. Auf diese Weise erreiche ich einen kontinuierlichen Wasserwechsel von insg. knapp 50 Liter pro Monat, ohne dabei Dichteschwankungen hinnehmen zu müssen.

Das Verdunstungswasser wird über eine Osmoseanlage, die mit einem ratz Calciumhydroxidreaktor verbunden ist, durch aufgekalktes Reinstwasser aufgefüllt. Dabei steuert eine selbstgebaute Niveauregulierung (Bausatz erhältlich z.B. bei Conrad Elektronik) ein Magnetventil an, welches die Wasserleitung zur Osmose bei Bedarf öffnet und schließt. Das Calciumhydroxid im Reaktor wird mehrmals täglich mittels der eingebauten Pumpe, die über eine der Schaltuhren angesteuert wird, durchmischt und so in Lösung gehalten.

Bild5-2

Die Nische wird mit Ständerwerk versehen, Beleuchtung und Filtertechnik ist bereits installiert.

Anmerkung: Mittlerweile reich der Kalkeintrag über den Calciumhydroxidreaktor auf Grund zunehmenden Steinkorallenwachstums nicht mehr aus. Zudem sinkt die Karbonathärte immer weiter ab. Aus diesem Grund habe ich zusätzlich einen Turbo-Kalkreaktor (Grösse 3) der Firma aquacare, Herten installiert. Hierzu liegen mir jedoch derzeit noch keine konkreten Erfahrungswerte vor.

Bild6-2

Die Rigipsplatten werden auf das Ständerwerk aufgeschraubt.

Die Temperaturregelung erfolgt über einen elektronischen Regler, welcher bei Unterschreitung von 230C zwei Jäger Stabheizer (je 150W), bei Überschreitung von 270C zwei handelsübliche Ventilatoren über dem Aquarium bzw. Filterbecken einschaltet. Die Durchschnittstemperatur kann so bei 250C gehalten werden (Ausnahme: längerfristig Aussentemperaturen über 280C in den Sommermonaten).

Für die Beleuchtung meines Riffaquariums verwende ich 3 HQI-Lampen mit jeweils 250W. Die beiden äußeren Lampen sind mit 10.000 Kelvin-Brennern (Sylvania HSI-TD AquaArc) bestückt und auf eine tägliche Beleuchtungsdauer von 10 Stunden eingestellt. In der mittleren Lampe verwende ich einen HRI-250W/blue-Brenner mit ca. 20000 Kelvin, der für täglich 5 Stunden zugeschaltet wird. Morgens und Abends wird die Beleuchtung mit Hilfe einer 36W Blauröhren (Osram 67) langsam hoch bzw. heruntergefahren.

In der Nacht schaltet sich eine ab Mondlichtlampe ein und sorgt für Minimalbelauchtung im Aquarium.

Zum Thema Wasserfilterung ist folgendes zu sagen:

Das Wasser aus dem Aquarium läut über einen Kamm in den Überlaufkasten. Dieser ist mit mehreren Lagen eines blauen Filterschaumes (ppi 10) gefüllt und sorgt so für eine erste Grobfilterung. Darüber hinaus wird verhindert, dass die Ablaufrohre durch grobe Teile verstopfen können.

Unmittelbar über dem Filterbecken verzweigen die Ablaufrohre t-förmig in ein an beiden Enden verschlossenes, aber geschlitztes Rohrstück. Auf diese Weise wird eine Verrieselung des abfließenden Wassers erreicht, welches zunächst über eine weitere Lage Filterschaumstoff und anschließend über ca. 20 Liter Biofilterbälle aus Polyester geleitet wird.

Darüber hinaus sorgt der bereits erwähnte ATK Abschäumer sowie eine zeitweise zugeschaltete HW UV-Lampe mit 30W Leistung für die erforderliche Wasserqualität, die zur Haltung von Stein- und Weichkorallen unabdingbar ist.

Bild7-2

Nun sind die Rigipsplatten bereits tapeziert und das Aquarium wird befüllt

Bild8-2

Das Aquarium mit kompletter Verkleidung, ca. 4 Wochen nach der Befüllung

Nach der Installation der vollständigen Technik wurde nun die noch offene Vorderseite verkleidet. Hierzu brachten wir zunächst das auf Foto 5 gut erkennbare Ständerwerk an und schraubten darauf wasserfeste Rigipsplatten fest (Foto 6). Die Platten wurden später einfach verspachtelt und tapeziert (Foto 7). Die Ausschnitte für Front- und Seitenscheibe sowie für die Türen und Klappen –unter- und oberhalb des Aquariums wurde mit Buchenholz verkleidet (Foto 8). Um eine Luftzirkulation in dem nunmehr geschlossenen Raum zu ermöglichen, montierte ich Belüftungsgitter in Deckenhöhe. Außerdem sorgt ein, über einen Luftfeuchtigkeitsschalter (Conrad Elektronik) gesteuerter Maico-Lüfter dafür, dass die feuchte Luft aus dem Innenraum der Nische abgesogen wird.

Nachdem die technische Installation abgeschlossen war, war es nun endlich an der Zeit die Anlage in Betrieb zu nehmen.

Die folgenden Schritte waren entsprechend die Befüllung mit Osmosewasser, das Ansetzen des künstlichen Meerwassers, das Einbringen von Dekoration, Lebendgestein, Bodengrund, etc. sowie das für den späteren Erfolg so wichtige Einfahren des Riff-Aquariums. Auf diese Themen möchte ich im 3. Teil meines Erfahrungsberichtes eingehen. Wer von Ihnen der Meinung ist, so lange nicht mehr warten zu können, dem sei gesagt, daß der Aufbau eines funktionierenden „künstlichen Riffes“ vorallem eines unbedingt voraussetzt: GEDULD! In diesem Sinne bis bald und viel Erfolg bei dem Aufbau Ihres eigenen Riffaquariums.

Text und Fotos: Andreas Behre

Ein Kommentar für Bau eines Aquariums aus Holz

  1. Dies ist der erste Kommentar nach der neuen Registrierung des Test-Users.
    Super Bericht!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

rfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-slide